Was KI im Sanitärbetrieb wirklich kann — und was nicht
„Was kann KI in meinem Sanitärbetrieb?“ ist die falsche erste Frage. Die richtige ist: Wo verliere ich heute Geld, das ich nicht mal sehe? Dieser Text beantwortet beide — ehrlich, mit Grenzen, aus der Sicht des Inhabers.
Die meisten Artikel über „KI im SHK-Handwerk“ sind Werkzeugkataloge. Sie zählen auf, was technisch geht, und verkaufen dir am Ende ein Tool. Ich gehe anders ran, weil ich kein Tool verkaufe: Ich schaue mir an, wo in deinem Betrieb die Zeit und das Geld real verloren gehen — und sage dir dann auch, was ich bewusst nicht anfassen würde.
Wo der Auftrag verloren geht — nicht am Preis
Es ist nicht die Arbeit am Objekt, die deinen Betrieb ausbremst. Es ist alles davor und daneben: der Anruf, der kommt, während du unter dem Lavabo liegst. Die immer gleiche Frage „macht ihr auch Notfälle am Wochenende?“. Die Offerte, die du abends um neun schreibst, weil tagsüber keine Hand frei war.
Drei verpasste Anrufe an einem Tag sind nicht drei verpasste Gespräche. Es sind drei Leute, die als Nächstes den Betrieb zwei Strassen weiter anrufen — und der geht ran. Du verlierst diese Aufträge nicht im Preisgespräch. Du verlierst sie, bevor das Preisgespräch überhaupt stattfindet. Das ist kein Disziplinproblem deiner Leute, sondern ein Strukturproblem: Der Erstkontakt passiert genau dann, wenn niemand Hände frei hat.
Die Reihenfolge ist wichtiger als der Funktionsumfang
Wenn ich auf einen Sanitärbetrieb schaue, baue ich nicht „alles, was geht“. Ich gehe in einer Reihenfolge vor, die sich am Ertrag orientiert, nicht an der Technik.
1. Zuerst: dass überhaupt jemand abnimmt
Fast alle wollen sofort die „Offerten-KI“. Falsch. Der erste Hebel ist der billigste und wirksamste zugleich: eine KI, die rund um die Uhr die immer gleichen Fragen sauber beantwortet — Notfall ja oder nein, Einzugsgebiet, grobe Preisspanne, Rückruftermin — und den Fall strukturiert an dich weitergibt. Mehr nicht. Diese eine Sache fängt die Aufträge auf, die heute lautlos zur Konkurrenz wandern.
2. Danach: die Anfrage sauber erfassen, bevor sie dich erreicht
Eine KI auf unsauberem Input produziert nur schneller Murks. Der zweite Schritt ist deshalb nicht das automatische Offert, sondern die strukturierte Erfassung: Was ist kaputt, seit wann, Mietobjekt oder Eigentum, Foto möglich? Du bekommst keinen Zettel mit „Herr Meier, Wasser“, sondern einen Fall, den du in dreissig Sekunden einschätzt.
3. Erst dann: Standardisierbares vorbereiten
Wiederkehrende Arbeiten — Boilerentkalkung, Spülkasten, Standard-Armaturentausch — lassen sich als Offert-Entwurf vorbereiten. Vorbereiten heisst: Der Entwurf liegt auf deinem Tisch, du gibst ihn frei. Die KI rechnet nicht selbst deine Marge.
Was ich im Sanitärbetrieb bewusst nicht automatisiere
Das ist der Teil, den die Werkzeugkataloge weglassen — und der wichtigste. Zwei Dinge fasse ich nicht an, und zwar aus Prinzip:
- Das Preisgespräch. Wo über die Marge verhandelt wird, gehört ein Mensch hin — deiner. Eine KI, die hier „mitverhandelt“, optimiert dich aus deinem eigenen Geschäft heraus.
- Den Notfall-Entscheid. Ob der Wasserschaden um drei Uhr nachts sofort jemanden braucht oder bis morgen warten kann, ist eine Haftungsfrage, keine Komfortfrage. Eine Maschine, die das „einschätzt“, ist kein Fortschritt, sondern ein Risiko, das am Ende bei dir landet.
Genau diese Grenze ist der Unterschied zwischen jemandem, der dir etwas verkaufen will, und jemandem, der versteht, wie dein Betrieb haftet. Eine KI, die alles verspricht, hat über genau diese Frage noch nicht nachgedacht.
Der Anruf, nicht der Chat — und die DSG-Frage
Im Sanitärbereich kommt der Erstkontakt übers Telefon. Eine Sprach-KI, die ausserhalb der Bürozeiten abnimmt, Mundart versteht und in sauberem Schweizer Hochdeutsch antwortet, wäre hier der eigentliche Hebel. Ehrlich: Voice ist bei mir im Aufbau. Ich nenne dir kein Datum — ich zeige dir, dass die Textgrundlage heute schon läuft und Voice genau darauf aufsetzt. Ein Versprechen, das ich nicht halten kann, wäre teurer als gar keines.
Und die Frage, die jeder Inhaber zu Recht stellt: Was passiert mit den Daten? Kundenanfragen sind Personendaten nach dem revidierten DSG. Konkret heisst das Bearbeitung in der Schweiz oder EU, klare Zweckbindung, kein Mittraining fremder Modelle mit deinen Falldaten. Das ist Teil der Umsetzung — nicht ein Kleingedrucktes, das später nachgereicht wird.
Was das konkret heisst
Du brauchst keine „KI-Strategie“. Du brauchst, dass der Anruf um 18:30 nicht mehr verloren geht, und dass die Offerte nicht mehr um neun Uhr abends entsteht. Alles andere ist Reihenfolge und Ehrlichkeit darüber, was eine Maschine im Handwerk kann und was nicht. Wenn du wissen willst, wie das an deinem Betrieb aussähe — ohne Standardpaket, ohne Abo — dann ist der nächste Schritt eine Standortbestimmung. Wie ich danach arbeite, steht hier im Ablauf; konkret für deinen Betriebstyp gibt es die Sanitär- & Haustechnik-Seite.